🧬 Genetische Erkrankungen-wissen,was ein Hund in sich trägt

Wissen schafft Sicherheit
erkennen, verstehen, verantwortungsvoll züchten
Nicht jede erbliche Erkrankung ist einem Hund äußerlich anzusehen. Moderne Gentests können bestimmte genetische Varianten bereits nachweisen, bevor Symptome auftreten – oder auch dann, wenn ein Hund selbst gesund ist, die entsprechende Anlage aber an seine Nachkommen weitergeben kann.
Die Untersuchungen können je nach Labor aus einer Blutprobe oder einem geeigneten Backen-/Speichelabstrich durchgeführt werden. Welche Probe zugelassen bzw. bevorzugt wird, richtet sich nach dem jeweiligen Labor und Test.
🔴MDR1 – Medikamentenunverträglichkeit
Der MDR1-Gendefekt kann dazu führen, dass bestimmte Medikamente nicht ausreichend aus dem Gehirn abtransportiert werden. Dadurch können bei betroffenen Hunden teilweise schwere neurologische Nebenwirkungen auftreten. Der MDR1-Status ist deshalb nicht nur für die Zucht interessant, sondern kann auch für die medizinische Behandlung des einzelnen Hundes wichtig sein. MDR1 kommt sowohl beim Australian Shepherd als auch beim Miniature American Shepherd vor.
🔴/🟡 CEA – Collie Eye Anomaly
CEA ist eine erblich bedingte Entwicklungsstörung des Auges. Die Ausprägung kann sehr unterschiedlich sein – von geringfügigen Veränderungen bis hin zu schweren Beeinträchtigungen des Sehvermögens. Die bekannte CEA-Variante wird autosomal-rezessiv vererbt und kann mittels DNA-Test untersucht werden.
🔴/🟡 prcd-PRA – Progressive Retinaatrophie
Bei der prcd-PRA werden die lichtempfindlichen Zellen der Netzhaut zunehmend geschädigt. Die Erkrankung kann zu einer fortschreitenden Einschränkung des Sehvermögens bis hin zur Erblindung führen. Der Gentest ermöglicht es, genetisch freie Hunde, Träger und genetisch betroffene Hunde zu unterscheiden.
🔴/🟡 HSF4 – Hereditärer Katarakt
Eine Variante im HSF4-Gen steht beim Australian Shepherd mit erblich bedingtem Katarakt – also einer Trübung der Augenlinse – in Zusammenhang. Der Gentest liefert deshalb eine wichtige zusätzliche Information zur regulären Augenuntersuchung. Auch hier gilt: Genetische Untersuchung und Untersuchung des Auges ergänzen sich. HSF4 gehört zu den DNA-Tests, die LABOKLIN in seinem aktuellen Aussie/Mini-American-Shepherd-Paket führt.
🔴/🟡 DM – Degenerative Myelopathie
Die Degenerative Myelopathie (DM) ist eine Erkrankung des Nervensystems, die zu fortschreitenden Bewegungsstörungen führen kann. Ein Gentest kann eine bekannte genetische Risikovariante nachweisen. Wichtig ist hierbei die Formulierung „Risikovariante“: Das genetische Ergebnis allein bedeutet nicht zwangsläufig, dass ein Hund im Laufe seines Lebens tatsächlich an DM erkrankt.
🔴 NAD – Neuroaxonale Dystrophie
Die Neuroaxonale Dystrophie (NAD) ist eine erbliche Erkrankung des Nervensystems. Für den Miniature American Shepherd ist eine entsprechende genetische Variante bekannt und ein DNA-Test verfügbar. Je nach zugrunde liegender Variante können neurologische Störungen beziehungsweise schwere Entwicklungsstörungen auftreten.
🔴/🟡 NCL – Neuronale Ceroid-Lipofuszinose
NCL bezeichnet eine Gruppe fortschreitender neurodegenerativer Erkrankungen. Je nach Form können unter anderem Koordinationsstörungen, Verhaltensveränderungen, Krampfanfälle und Beeinträchtigungen des Sehvermögens auftreten. Ein entsprechender DNA-Test wird für Australian Shepherd und Miniature American Shepherd angeboten; LABOKLIN gibt für NCL eine autosomal-rezessive Vererbung an.
🔴/🟡 Brachyurie – Stummelrute
Bei der Brachyurie handelt es sich um eine genetisch bedingte Verkürzung der Rute. Beim Australian Shepherd und Miniature American Shepherd ist hierfür eine Variante im TBXT-Gen bekannt. Sie wird autosomal-dominant vererbt – bereits eine Kopie kann also zur natürlichen Stummelrute führen.
Warum für die Zucht wichtig?
Der genetische Status sollte bekannt sein, damit insbesondere Verpaarungen zweier Hunde mit der entsprechenden Anlage vermieden bzw. nach den Zuchtbestimmungen korrekt geplant werden können.
🔴/🟡 CDDY / IVDD-Risiko – Chondrodystrophie
CDDY steht für Chondrodystrophie. Die untersuchte genetische Variante beeinflusst die Entwicklung der Bandscheiben und ist mit einem erhöhten Risiko für Bandscheibenerkrankungen (IVDD) verbunden.
Ein positives Testergebnis bedeutet dabei nicht automatisch, dass ein Hund tatsächlich einen Bandscheibenvorfall bekommen wird. Es weist auf eine genetische Anlage bzw. ein erhöhtes Risiko hin, das bei der Zuchtplanung berücksichtigt werden kann. Der Test wird auch für den Miniature American Shepherd als genetische Untersuchung geführt.
🔴/🟡 CDPA – Chondrodysplasie
Bei CDPA handelt es sich um eine genetisch bedingte Veränderung des Knochenwachstums, die insbesondere die Länge der Gliedmaßen beeinflussen kann.
CDPA und CDDY werden häufig gemeinsam getestet, sind aber nicht dasselbe. Der Gentest liefert deshalb für beide Varianten ein eigenes Ergebnis.
Warum für die Zucht wichtig?
Das Ergebnis gibt zusätzliche Informationen über genetische Anlagen, die den Körperbau bzw. den Bewegungsapparat beeinflussen können, und kann bei der Auswahl von Zuchtpartnern berücksichtigt werden.
🔴/🟡 MH – Maligne Hyperthermie
Die Maligne Hyperthermie (MH) ist eine erblich bedingte Störung des Muskelstoffwechsels. Bei genetisch betroffenen Hunden können bestimmte Narkosemittel oder andere Auslöser eine schwere Stoffwechselreaktion hervorrufen.
Dabei können unter anderem eine starke Erhöhung der Körpertemperatur, Muskelstarre sowie Kreislauf- und Stoffwechselprobleme auftreten. Der genetische Status ist daher nicht nur für die Zuchtplanung interessant, sondern kann auch für eine notwendige Narkose eines Hundes medizinisch wichtige Informationen liefern.
🔴/🟡 CMR1 – Canine multifokale Retinopathie
Die Canine multifokale Retinopathie (CMR1) ist eine erblich bedingte Veränderung der Netzhaut. Dabei können sich unterschiedliche Veränderungen bzw. Läsionen im Bereich der Netzhaut entwickeln. Die Auswirkungen auf das Sehvermögen können unterschiedlich ausgeprägt sein.
CMR1 wird autosomal-rezessiv vererbt. Ein genetischer Träger erkrankt in der Regel nicht, kann die entsprechende Variante jedoch an seine Nachkommen weitergeben.
Warum für die Zucht wichtig?
Durch Kenntnis des genetischen Status können Verpaarungen entsprechend geplant und die Entstehung genetisch betroffener Nachkommen vermieden werden.
💡 Hinweis: CMR1 gehört zwar zu den genetischen Erkrankungen, betrifft aber das Auge. Ihr könnt es deshalb entweder hier bei den Gentests erklären oder auf eurer Augenseite darauf verweisen.💡 Was bedeutet „Träger“?
Bei autosomal-rezessiv vererbten Erkrankungen ist ein Träger nicht automatisch ein kranker Hund. Entscheidend für die Zucht ist, seinen genetischen Status zu kennen und die Verpaarung entsprechend zu planen. Gentests sollen deshalb nicht einfach möglichst viele Hunde aus der Zucht ausschließen, sondern uns ermöglichen, mit vorhandener genetischer Vielfalt verantwortungsvoll umzugehen und die Entstehung betroffener Nachkommen zu vermeiden.
